Sportanlagen neu denken – zwischen Hitzeschutz und Starkregenprävention

Extreme Hitze, Trockenheit und Starkregen stellen Städte und Infrastruktur zunehmend vor Herausforderungen – auch Sportanlagen sind betroffen. Wie sie künftig widerstandsfähiger und gesünder gestaltet werden können, erforscht Prof. Dr.-Ing. Anke Schmidt von der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau. Sie arbeitet im Forschungsprojekt KlimaSAN, das im Auftrag des Bundesinstituts für Sportwissenschaft Maßnahmen zur Klimaanpassung entwickelt.

„Eine Fußballmannschaft, die 90 Minuten auf einem unbeschatteten Spielfeld trainiert, ist enormen Belastungen ausgesetzt – das gilt auch für Zuschauerinnen und Zuschauer.“

Forschungsprojekt KlimaSAN

Hitze, Trockenheit und Starkregen wirken sich nicht nur auf Materialien aus, sondern auch auf die Gesundheit der Sporttreibenden. Ziel von KlimaSAN ist es daher, praxisnahe Maßnahmen zu entwickeln, die bundesweit umgesetzt werden können. Grundlage war ein Handlungskatalog mit drei Schwerpunkten: „kühle Sportanlage“, „vorsorgende Sportanlage“ und „gesunder Sportbetrieb“. Dabei geht es sowohl um bauliche als auch um organisatorische und soziale Anpassungen.

„Letztlich geht es darum, Sportanlagen ganzheitlich zu denken – baulich, organisatorisch und sozial.“

Sportanlagen als Teil der Klimaanpassung

Zu den empfohlenen Maßnahmen gehören Verschattung, Gebäudekühlung, Begrünung und Wasserelemente. Beim Thema Starkregen stehen Entsiegelung, Drainagen und Rückhaltebecken im Mittelpunkt. Für den Betrieb werden organisatorische Anpassungen wie veränderte Trainingszeiten, Sonnenschutz oder Trinkwasserbereitstellung vorgeschlagen. Erste Beispiele zeigen den Nutzen: In Hamburg schützt ein Retentionsbecken unter einer Sportanlage vor Überflutungen in der Umgebung.

Sportanlagen können zudem wichtige „kühle Inseln“ in Städten sein. Rasenflächen tragen zur Abkühlung bei, Bäume und Schattenflächen erhöhen die Aufenthaltsqualität. Damit gewinnen sie über ihre sportliche Funktion hinaus neue Bedeutung für das Stadtklima.

„Sportanlagen bieten oft große, unversiegelte Flächen – eine Ressource, die in dichten Städten selten ist.“

Herausforderungen und Ausblick

Die Umsetzung verlangt, Sportfunktionalität, bauliche Anforderungen und Gesundheit zusammenzudenken. Das erfordert Veränderungen in Strukturen und Gewohnheiten, bietet aber auch Chancen zur Modernisierung. Fachleute aus dem GaLaBau spielen dabei eine Schlüsselrolle, indem sie technische und gestalterische Lösungen einbringen.

Noch fehlen klare Förderstrukturen und rechtliche Anpassungen. Doch gerade bei anstehenden Sanierungen können Klimaschutz und Widerstandsfähigkeit mitgeplant werden. Prof. Schmidt wünscht sich, dass Sportanlagen künftig Orte werden, die das Stadtklima verbessern, Gesundheit schützen und selbst bei Extremwetter verlässlich nutzbar bleiben.

Quelle: https://galabau-blog.de/sportanlagen-neu-denken-zwischen-hitzeschutz-und-starkregenpraevention/